Es war fast wie vor vierzig Jahren – eine Zangengeburt

Wir haben mal wieder Samstag (09.10.2010) und zur Abwechslung sitze ich heute mal an einem Samstagvormittag schon wieder im ICE von Berlin nach Frankfurt am Main. Auch wenn die letzten Tage anstrengend und aufreibend waren, nehme ich mir die Zeit während der Bahnfahrt, um diesen Blog-Artikel für Euch vorzubereiten.

Zeit genug zum Schreiben habe ich gerade, denn am Wochenende heisst es für mich ja, dass ich auf den Sprinter verzichten muss. So stehe ich gerade in Wolfsburg und stelle beim Blick auf die Uhr fest, dass noch drei Stunden Fahrt vor mir liegen.

Eine Überschrift habe ich ja zumindest schon mal – eine, wo bestimmt wieder viele sagen werden: „Oh man, Olli, Du nun wieder!“ Mag sein, aber ich finde sie passt sehr gut.

Drehen wir die Uhr mal knapp 40 Jahre zurück (es fehlen ja nur vier Monate und vier Tage…). Wir schreiben Mitte Februar 1971. Zu diesem Zeitpunkt sollte Olli zwar kein  Frankfurter sondern überhaupt erst einmal ein Erdenbürger, ein Berliner werden. Alles lief erst einmal wie gewünscht und man freute sich auf meine geplante Ankunft. Zumindest bis zu dem Moment, wo das dann wirklich besiegelt und durchgeführt werden sollte.

Vor wenigen Wochen meinte meine Mutter scherzhaft: „Naja, keiner hatte halt damit gerechnet, dass Du schon damals so ein Dickkopf warst…“ Damals hatte jemand im Vorfeld geschludert und nun war der Schlamassel da – nur der Olli nicht. Die Ärzte wollten das Ganze schon abbrechen und scheiterten da aber am vehementen Widerstand meiner nicht minder dickköpfigen Mutter. Um hier nicht zu tief in die Details zu gehen… mein Weg in diese Welt und nach Berlin war wahrlich eine Zangengeburt (in meinem Fall nur sprichwörtlich, denn faktisch war es eine Saugglocke, die letztendlich zum Erfolg führte).

Irgendwie ist das eine ziemliche Parallele zur aktuellen Situation und meinem Weg nach Frankfurt. Auch dieser war von Vorfreude geprägt und auch er wurde auf der Zielgerade erst zu einem riesigen Schrecken, gefolgt von Unsicherheit und emotionalem Stress. Das letzte Wochenende in Frankfurt und die Zeit bis Dienstag – wo die zweite Verhandlung vor dem Betriebsrat stattfinden sollte, waren für mich alles andere als leicht, denn auch wenn man es eigentlich nicht will, man fängt in ruhigeren Momenten irgendwie automatisch immer wieder an, über das Problem und die möglichen Auswirkungen nachzugrübeln. Ein Dauerzustand zwischen Hoffen, dass sich alles einfach aufklärt, und aufkommenden Existenzängsten.

Aber auch meine „Frankfurter Geburt“ nimmt dann letztlich nach viel Gewürge wohl doch ein gutes Ende. Zumindest wurde mir berichtet, dass nun auch die abschließende Zustimmung des Betriebsrats vorliegt und nun alles weitergehen kann.

Das war dann wohl meine Zangengeburt No. 2 (auch wenn diese ebenfalls nur eine sprichwörtliche ist).

Nun warte ich dann gespannt darauf, wann ich das Ganze irgendwie schriftlich bekomme bzw. wann man mir das Zwischenkonto einrichtet, damit ich mit Wohnungssuche und Umzugsplanung konkret beginnen kann. Damit steht nun auch die Auswahl des Firmenwagens und seine Bestellung auf dem Programm.

Mein aktuelles Leben wird also bei weitem nicht ruhiger, aber ich bin beruhigter, dass am Ende dieses Veränderungsprozesses das herauskommt, worauf ich seit Monaten hinarbeite – ein kompletter persönlicher Neuanfang in Frankfurt bei netten neuen Kollegen und spannenden und herausfordernden neuen Aufgaben.

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